„Ein einfühlsames und anrührendes Debüt. Flüssig zu lesen, stilistisch makellos. Gern empfohlen.“
Ulrike Bischoff, EKZ
„Mit ihrem Roman ist es Braschel gelungen, einen differenzierten Blick auf eine Volksgruppe zu werfen, die in den Geschichtsbüchern bislang nur mangelhaft dokumentiert wurde.“
Alice Pfitzner-Manjić, ORF
„Der Konflikt zwischen Lina und ihrer Mutter gehört zu den stärksten Passagen dieses Romans. [...] Zu schmerzhaft kratzt ein SS-Verbrecher als Vater an ihrem Selbstbild: eine Abwehrreaktion, die für viele NS-Täterkinder bis heute typisch ist – und die Braschel in Gestalt der ambivalent agierenden Mutter anschaulich darstellt.“
Gisa Funck, Deutschlandfunk
„‚Heim holen‘ schildert, wie eine junge Frau sich auf die Reise zu ihren Wurzeln macht. Zunächst nach Salzburg, dann bis nach Belgrad, in den Vorort Zemun, den sie aus Erzählungen noch als donauschwäbisches Semlin kennt. Endgültige Antworten findet sie dabei keine, aber etwas ebenso wertvolles: eine ehrliche und erwachsene Beziehung zu ihrer Herkunftsfamilie. Für Leserinnen und Leser ein fruchtbarer Anlass zur Selbstbefragung.“
Magdalena Miedl, Ö1 Morgenjournal
„Es geht um Geschichtsverzerrungen, ums Verdrängen, um die Geschichten, die sich Familien von sich selbst erzählen und um die kognitiven Dissonanzen, die dadurch in der Erzählerin und in ihrer Beziehung zu Familie und Freunden entstehen. Der Roman ist einerseits eine wichtige und sehr interessant zu lesende historische Recherche, ist aber auch erzähltechnisch sehr spannend zu lesen, weil er den ganzen Entstehungsprozess offenlegt und sich im Grunde wie eine Anleitung zur eigenen Recherche liest.“
Elias Hirschl, Instagram (@eliashirschl)
„Die Vergangenheit lässt sich nicht ändern. Auch die Herkunft nicht. Einfluss haben wir auf die Art, wie wir mit ihr umgehen. Wir können Fragen stellen, Verantwortung anerkennen und die eigene Geschichte um jene Teile erweitern, die lange gefehlt haben. Heim holen zeigt, dass genau darin eine Aufgabe der Gegenwart liegt. Die Geschichten bleiben dieselben. Aber die Weise, wie wir sie erzählen, kann sich verändern.“
Barbara Seidl-Reutz, Litrobona
„Braschel gibt allen eine eigene Stimme und gelangt dadurch zu einer respektablen Bandbreite an Perspektiven. Die Komposition führt zu einem stimmigen Ineinandergreifen von Erinnerung und Dokumentation, Literatur und Recherche, Gegenwart und Vergangenheit. Katherina Braschels Roman legt nicht zuletzt Schicht für Schicht den Weg der Auseinandersetzung mit den großen Fragen des 20.Jahrhunderts nach Erinnerung, Nationalismus und Schuld frei und führt damit ihre Leser:innen zur Frage nach dem Umgang der eigenen Familie mit den Taten und Erfahrungen der Eltern bzw. Großeltern. Wenngleich die Frage nicht direkt gestellt wird, schafft die Autorin ein Setting, das Ausweichmöglichkeiten verhindert und eine Frage am Ende des Romans wie von Zauberhand auf weißem Papier durchschimmern lässt: Habe ich ausreichend nachgefragt oder möchte ich vielleicht doch eine Google-Suche riskieren?“
Ursula Ebel, „Das Spectrum“ in Die Presse
„So vermischen sich bald eigene Erinnerungen an Ausflugsfahrten, Brauchtumspflege und Trachtenumzüge einer Gemeinschaft, die sich vorwiegend über das an ihr verübte Unrecht definiert, und dem Versuch, Licht ins Dunkel einer Vergangenheit zu bringen, über die kaum jemand offen sprechen will.
Lina zittert den Ergebnissen ihrer Archivanfragen entgegen: Lässt sich persönliche Mitschuld ihres Großvaters, mit dem sie Lego gespielt und Bäume gezählt hat, nachweisen?
Es ist der Umgang mit diesen Fragen und nicht die Antwort darauf, die Braschel ins Zentrum von ‚Heim holen‘ gestellt hat. Die Suche führt Lina in Salzburger Kellerabteile und in ehemalige Lager und Wohnviertel in Belgrad. Und sie führt zu einer erstaunlichen Annäherung an ihre eigene Mutter.“
Wolfgang Huber-Lang, APA
„Die literarischen Miniaturen vermitteln spezifische Atmosphären und sie weisen kleinere und größere Pointen auf. ‚es fehlt viel‘ ist ein Versuch, der sich für Lesende lohnt.“
Maria Motter, FM4
„Trotz der Schwere und der Grausamkeiten, die Katherina Braschel aus den harmlos scheinenden Alltagsbanalitäten schält, erzeugen die lockere, lose gesetzte Aufmachung des Buches und der trockene und klar voranpreschende Sprachfluss auch einen Urwiener Galgenhumor“
Elias Hirschl, kolik83
„Der Text ICD-10 - F63.9 der Autorin Katherina Braschel verblüfft zunächst mit der Recherche, die ihm zugrunde liegt. Dann erstaunt er durch die Genauigkeit, mit der die Erzählerin ihren Körper beschreibt, mit der sie nachvollzieht, dass sie lebt, indem sie verfällt.
Schließlich überrascht Braschel ihre Leserinnen und Leser, indem sie alles Politische, das sich in ihrem Text verbirgt, mit der Schönheit ihrer Sprache überdeckt und so erst hervorhebt, da sie uns zu einem zweiten Lesen zwingt.“
Aus der Jurybegründung zum Wortmeldungen Förderpreis 2019
„Mit ihrer Kurzgeschichte konnte die Autorin die Jury rundum überzeugen. „Der Text umtanzt zwei große Leerstellen“, umreißt Laudator Markus Orths die Story. „Zum einen der Grund für die permanenten Suizidversuche des Vaters. Man kann nur spekulieren, ob es mit der zweiten großen Leerstelle zu tun hat, dem Fehlen der Mutter.“ Besonders beeindruckt war die Jury vom mehrmals wechselnden Duktus der Erzählung. Die Geschichte umfasst den Zeitraum vom vierten bis 21. Lebensjahr der Protagonistin. Laut Meinung der Jury zeichnet sich das Werk durch seine präzise Beobachtungsgabe und kluge Personensetzung aus, die auch die Nebenfiguren umfasst.“
Birgit Karg, Die Rheinpfalz